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Politik

Das Spiel mit der Politik: Jan Böhmermann, Trump und die Wähler

Jan Böhmermann erklärt in einem NYT-Video die Absurditäten der deutschen Politik, während Donald Trump sich selbst inszeniert und Auslandsdeutsche vom Wählen ausgeschlossen sind.

vonLukas Hoffmann19. Juni 20263 Min Lesezeit

Es gibt Momente im politischen Diskurs, in denen man sich unweigerlich fragt, ob die Realität nicht längst von einer grotesken Satire überholt wurde. Vor wenigen Tagen saß ich mit einer Tasse Kaffee in meinem Lieblingscafé und sah Jan Böhmermanns neuesten Beitrag für die New York Times. Böhmermann, der Meister des feinen Sarkasmus, erklärte die Verwirrung und Komplexität der deutschen Politik. Es war ein hochgradig amüsantes, fast schon absurderes Stück, das mir erneut die Frage aufdrängte: Wie ist es möglich, dass in einem Land, das sich doch gerne für seinen rationalen Diskurs rühmt, so viele Menschen mit dem Kopf schütteln und gleichzeitig lachen müssen?

Während ich mir ein weiteres Stück Kuchen gönnte, wurde mir klar, dass ein weiteres bemerkenswertes Politikum nicht lange auf sich warten ließ. Donald Trump, der über die Jahre hinweg die Grenzen der Selbstinszenierung immer wieder neu definierte, hatte sich das Königsporträt seiner selbst als neue Form der politischen Kommunikation auserkoren. Man könnte meinen, die Idee, über ein künstlerisches Abbild seiner eigenen Person eine Art Herrschaft oder Macht zu insinuieren, sei der Höhepunkt narzisstischer Exzentrik. Doch hier sind wir: Trump, der seine Position als politisches Idol nicht nur behauptet, sondern sie auch auf eine Art und Weise propagiert, die an Monarchie erinnert. Während das Königsporträt durch die sozialen Medien geisterte, verging kein Tag, ohne dass ich an das Bild eines selbstverliebten Herrschers denken musste, umgeben von treuen Untertanen.

Und während sich die Welt mit den Auswüchsen dieser beiden Phänomene beschäftigt, bleibt eine nicht minder seltsame Entwicklung nicht unerwähnt: die Tatsache, dass Auslandsdeutsche, also jene, die sich außerhalb der deutschen Grenzen aufhalten, von der Teilnahme an den Wahlen ausgeschlossen sind. Man könnte argumentieren, dass dies eine Konsequenz der Globalisierung ist. Doch für viele Deutsche, die im Ausland leben, ist das eine Herabwürdigung ihrer Identität und ihrer Verbindung zum Heimatland. Es ist fast schon ironisch, dass ein Land, das nicht müde wird, seine Offenheit und Gastfreundschaft zu betonen, gleichzeitig die Stimmen derer ignoriert, die sich entschieden haben, ihre Zukunft anderswo zu suchen.

Der Zusammenhang zwischen diesen drei Beobachtungen ist dünn, aber nicht zu übersehen. In einer Welt, in der Humor sowohl als Waffe als auch als Werkzeug der Aufklärung fungiert, ist es nicht verwunderlich, dass Satiriker wie Böhmermann an vorderster Front stehen. Sie schaffen es, die Absurditäten des politischen Geschehens zu entblößen, während sie gleichzeitig ein Publikum unterhalten. Dies ist eine Kunstform, die in ihrer Komplexität oft übersehen wird. Genau wie das Königsporträt von Trump, das auf den ersten Blick als bloßer Narzissmus erscheinen mag, birgt auch Böhmermanns Spaß an der politischen Analyse tiefere Bedeutungen. Es ist der verzweifelte Versuch, das Unverstandene verständlich zu machen, während man gleichzeitig auf die Absurditäten der Realität hinweist.

Die Wahlbeteiligung der Deutschen im Ausland, oder besser gesagt deren Ausschluss, wirft jedoch eine andere Frage auf: Wer hat das Sagen in einem System, das sich selbst als demokratisch bezeichnet? Und warum sind die Stimmen jener, die außerhalb der Grenzen leben, nicht von gleicher Bedeutung? Das Absurde daran ist, dass viele von uns in Deutschland durchaus das Gefühl haben, dass die Politik in Berlin und in den Bundesländern wie ein fernes Schauspiel ist, das keinen direkten Einfluss auf unser tägliches Leben hat. Aber die Entscheidung über die Teilhabe am politischen Prozess, so entfernt sie auch erscheinen mag, ist eine Angelegenheit, die uns alle betrifft.

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die deutsche Politik in einem Zustand der paradoxen Absurdität feststeckt. Auf der einen Seite wird der Versuch unternommen, durch Satire und Humor den Menschen die Komplexität der politischen Landschaft näherzubringen. Auf der anderen Seite gibt es die bittere Realität, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung von der Teilnahme ausgeschlossen wird. Brexit, die Wahl Donald Trumps und die zunehmende Politisierung innerhalb Europas haben deutlich gemacht, dass die Stimmen derjenigen, die nicht mehr im Heimatland leben, nicht nur gehört, sondern auch ernst genommen werden müssen.

Vielleicht haben wir in der nächsten Wahl die Gelegenheit, dies zu ändern. Mögen wir mehr Stimmen hören und mehr Sichtweisen willkommen heißen, bevor wir uns erneut der Satire zuwenden müssen, um etwas zu verstehen, was wir längst hätten begreifen sollen. Der Kaffee ist kalt, der Kuchen aufgegessen, und die Politik dreht sich weiter im Zirkus der Absurdität. Es scheint, als müssten wir weiter darüber schmunzeln, während wir gleichzeitig dafür kämpfen, dass jeder eine Stimme hat – auch über die Grenzen hinaus.

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